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Das Transaktionale Stressmodell – einfach erklärt

Stress entsteht nicht einfach nur durch ein Ereignis selbst, sondern dadurch, wie ein Mensch das Ereignis bewertet und ob er glaubt, damit umgehen zu können. Genau das ist der Kern des Modells von Lazarus und Folkman aus dem Jahr 1984.

Stell dir vor, zwei Menschen schreiben dieselbe wichtige Prüfung.

  • Person A denkt: „Das ist schwer, aber ich kann mich vorbereiten.“
  • Person B denkt: „Das schaffe ich niemals.“

Die Situation ist dieselbe, aber der erlebte Stress ist verschieden.
Warum? Weil nicht nur das Ereignis zählt, sondern die innere Bewertung der Situation.

Was bedeutet „transaktional“?

„Transaktional“ heißt: Stress entsteht im Zusammenspiel zwischen Person und Umwelt.
Also nicht nur die Situation allein ist entscheidend und auch nicht nur die Person allein, sondern die Wechselwirkung zwischen beiden. Eine Situation wird erst dann stressig, wenn sie für die Person bedeutsam ist und ihre Bewältigung unsicher erscheint.

Die 3 zentralen Schritte des Modells

1. Primäre Bewertung: „Ist das überhaupt wichtig oder gefährlich für mich?“

Hier prüft die Person zunächst:

  • Ist die Situation unwichtig?
  • Ist sie positiv / harmlos?
  • Oder ist sie stressrelevant?

Wenn sie als stressrelevant bewertet wird, kann sie weiter eingestuft werden als:

  • Schaden/Verlust: Es ist schon etwas Negatives passiert.
    Beispiel: „Ich habe die Prüfung bereits nicht bestanden.“
  • Bedrohung: Es könnte etwas Schlimmes passieren.
    Beispiel: „Ich könnte durchfallen.“
  • Herausforderung: Es ist schwer, aber auch eine Chance.
    Beispiel: „Das wird anstrengend, aber ich kann daran wachsen.“

In einfachen Worten:
Die Person fragt sich zuerst: „Was bedeutet diese Situation für mich?“

2. Sekundäre Bewertung: „Kann ich damit umgehen?“

Danach fragt sich die Person:

  • Habe ich genug Wissen?
  • Habe ich Zeit?
  • Habe ich Unterstützung?
  • Habe ich Kontrolle?
  • Weiß ich, was ich tun kann?

Hier geht es also um die wahrgenommenen Bewältigungsmöglichkeiten.
Eine Situation wird besonders dann als stressig erlebt, wenn jemand denkt:
„Das ist wichtig und schwierig und ich habe nicht genug Mittel, um es zu schaffen.“

In einfachen Worten:
Die zweite Frage lautet: „Schaffe ich das?“

3. Bewältigung (Coping): „Was tue ich jetzt?“

Nach der Bewertung versucht die Person, mit der Situation umzugehen. Das nennt man Coping.

Lazarus und Folkman unterscheiden vor allem zwei große Arten:

Problemorientiertes Coping
Hier versucht man, das Problem direkt zu verändern.
Beispiele:

  • Lernplan machen
  • Hilfe holen
  • Informationen sammeln
  • Gespräch führen
  • Aufgabe strukturieren

Emotionsorientiertes Coping
Hier versucht man, die eigenen Gefühle zu regulieren.
Beispiele:

  • sich beruhigen
  • mit Freunden reden
  • Entspannungsübungen machen
  • Situation gedanklich neu einordnen
  • Gefühle ausdrücken

Wichtig ist: Beide Formen sind nicht automatisch gut oder schlecht.
Problemorientiertes Coping passt oft besser, wenn man wirklich etwas ändern kann.
Emotionsorientiertes Coping ist oft hilfreich, wenn eine Situation kaum kontrollierbar ist und man zuerst die innere Anspannung regulieren muss.

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Danach folgt oft eine Neubewertung

Das Modell beschreibt Stress nicht als einmaligen Moment, sondern als laufenden Prozess.
Nachdem jemand etwas unternommen hat, bewertet er die Lage oft erneut:

  • Hat mein Handeln geholfen?
  • Ist die Gefahr kleiner geworden?
  • Fühle ich mich sicherer?
  • Muss ich meine Strategie ändern?

Diese erneute Einschätzung nennt man Neubewertung.

Das ganze Modell in einem einfachen Satz

Stress entsteht, wenn ich eine Situation als wichtig und belastend bewerte und gleichzeitig glaube, dass meine Möglichkeiten zur Bewältigung nicht ausreichen.

Warum ist dieses Modell so wichtig?

Dieses Modell war so einflussreich, weil es gezeigt hat:

  1. Nicht jede belastende Situation macht automatisch Stress.
  2. Die persönliche Bewertung ist entscheidend.
  3. Stress kann sich verändern, wenn sich Bewertung oder Bewältigung ändern.
  4. Menschen können dieselbe Situation völlig unterschiedlich erleben.

Lazarus und Folkman lenken den Blick auf die Frage:
„Wie denkt die Person über die Situation?“

Das Modell von Lazarus und Folkman sagt:

Eine Situation macht nicht automatisch Stress.
Zuerst fragt der Mensch unbewusst oder bewusst:

  • Ist das für mich wichtig oder gefährlich?
  • Kann ich damit umgehen?

Wenn die Situation wichtig erscheint und die Person glaubt, nicht gut genug damit umgehen zu können, entsteht Stress. Danach versucht sie, das Problem oder ihre Gefühle zu bewältigen.

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